Eisenbahnstraße

Die Eisenbahnstraße ist eine wichtige Verbindungs­straße im Leipziger Osten. Sie ist 2 294 Meter(!) lang und durchquert bzw. berührt die Stadtteile Reudnitz (Haus­nummern 2, 4 und 4b), Neu­stadt (Haus­nummern 1–79), Neu­schönefeld (Haus­nummern 6–82), Volkmars­dorf (Haus­nummern 81–123 und 84–136) sowie Seller­hausen (Haus­nummern 125–189 und 138–182). Sie hat den amtlichen Straßenschlüssel 02161.

Die Straße beginnt an einem namenlosen Straßen­stern in der Ost­vorstadt, der an der Ost­spitze des Friedrich-List-Platzes liegt und in den auch die Rosa-Luxemburg-Straße (ursprünglich: »Schöne­felder Weg«, später: »Äußere Tauchaer Straße«, »Tauchaer Straße«), Luther­straße und Mecklen­burger Straße (ursprünglich »Althner Straße«) münden. – Die Eisenbahnstraße beginnt an der Grenze zur Gemarkung Neustadt und führt geradlinig in östliche Richtung, wo sie nach 66 Metern an der von Süden kommenden Melanchthon­straße die hier überwölbte Östliche Rietzschke überquert. Hier befand sich ursprünglich die Grenze zur Gemarkung Reudnitz; ab hier gehören die Grundstücke auf der Südseite zum Stadtteil Neuschönefeld. Die Grund­stücke mit den Haus­nummern 2, 4 und 4b gehören noch heute zum Stadtteil Reudnitz. Bei der Bebauung der Nord­seite wurden die Grund­stücke mit den Hausnummern 1 bis 5 aber nach Neu­stadt umgeflurt. – Im weiteren Verlauf nach Osten nimmt die Eisenbahnstraße die von Süden kommende Jonasstraße (ursprünglich »Gustav-Harkort-Straße«), die von Norden kommenden Busse- und Einert­straße und die von Süden kommende Konstantinstraße (hier ursprünglich »Philipp­straße«) auf, kreuzt die Neustädter Straße (im Norden ursprünglich: »Haupt­straße«, im Süden »Carl­straße«), entsendete die nach Süden führende Melchior­straße (ursprünglich »Georg­straße«), nimmt die von Norden kommende Hedwig­straße auf, entsendete die nach Süden führende Thümmel­straße (ursprünglich »Heinrich­straße«) und kreuzt mit der Hermann-Liebmann-Straße (hier ursprünglich »Kirch­straße« und »Kirch­weg«, später »Alfred-Kindler-Straße« und wieder »Kirch­straße«) auch die Gemarkungsgrenze zu Volkmars­dorf.


Grundkarte 1802 (nicht genordet!); Nachträge (ca. 1845) dunkelrot;
»Berg« grünlich

Dieser westliche Abschnitt ist der älteste Teil der Eisenbahn­straße. Er wurde in den 1840er Jahren mit der Gemeinde Neu­schönefeld südlich parallel der Bahntrasse der hier 1837 in Betrieb genommenen Leipzig–Dresdner Eisen­bahn an­gelegt und war zunächst wesentlich schmaler als heute. Der erste Name der neuen Straße war gemäß Neu­schöne­felder Flur­buch von 1849 Berg­straße (Berg­ſtraße).? Damit wurde wahr­scheinlich auf einen Hügel östlich des Kirch­wegs Bezug genommen, zu dem die neue Straße führte. – Hetzels Karte 1864 zeigt schon den heutigen Straßen­namen Eisenbahn­straße (Eiſenbahn­ſtraße). Die Südseite der Straße war schon dicht bebaut. – Nach der Verlegung der Dresdner Eisenbahn in ihren aktuellen Verlauf im Jahre 1878 wurde die bisherige Trasse frei. Das Gelände wurde in Neu­stadt nach 1884 zur Verbreiterung der Eisenbahn­straße genutzt; erst jetzt begann die Bebauung mit Häusern auf der Nord­seite der Straße. Seit dem 22. Dezember 1882 verläuft der erste Abschnitt der Neu­schöne­felder Straßenbahn­trasse entlang des West­abschnitts der Eisenbahn­straße.

Der Volkmarsdorfer Abschnitt der Eisenbahnstraße, der an der Kreuzung mit der Hermann-Liebmann-Straße beginnt, führt weiter geradlinig nach Osten. Dabei kreuzt die Straße die Hildegard­straße (ursprünglich »Louisen­straße«), die Elisabethstraße sowie die Ida­straße und mündet schließlich in einen Straßen­stern, in dem die Torgauer Straße kreuzt sowie die nach Norden führende Bennigsen­straße (ursprünglich »Grenz­straße«) und die von Süden kommende Graßdorfer Straße (ursprünglich »Jacob­straße«, zwischen­zeitlich »Schröter­straße«) münden. Seitdem die Bebauung auf einer nördlich gelegenen Industrie­brache den Namen »Torgauer Platz« erhielt, wird dieser Name mitunter auch für den eben beschriebenen Straßen­stern benutzt. Schon vor der eigentlichen Kreuzung wechselt die Straße in die Gemarkung Seller­hausen. – Die Bebauung der Volkmars­dorfer Eisenbahn­straße begann erst Ende der 1880er Jahre. Das Adressbuch 1888 kennt hier nur ein Haus! – Am 14. Mai 1887 wurde die Neu­schönefelder Straßenbahn­trasse entlang des Volkmars­dorfer Abschnitts der Eisenbahn­straße bis zur Torgauer Straße verlängert.

Der bisher beschriebene Verlauf von der Rosa-Luxemburg-Straße bis zur Torgauer Straße ist Teil der Bundesstraße 87.

Der Sellerhäuser Abschnitt der Eisenbahn­straße hat eher den Charakter einer Anlieger­straße. Hier nimmt die Straße die von Süden kommende Edlich- und Schützenhaus­straße auf, kreuzt die Bautzmann­straße, entsendet die nach Norden führende Gretschel­straße, kreuzt die Geißler- und Paulinen­straße, nimmt in einer gemeinsamen Kreuzung die von Norden kommende Bülow­straße und die von Süden kommende Annen­straße auf, unterquert die auf einer Brücke verlaufende (Neue) Verbindungs­bahn und endet schließlich an der von Süden kommenden Portitzer Straße, wobei deren nach Norden führender Teil hier nur ein schmaler Fußweg ist. – Hier begann die Bebauung erst um 1890. Am 13. Januar 1914 wurde die Neu­schönefelder Straßenbahn­trasse weiter nach Osten bis zum Ende der Eisenbahnstraße verlängert. Hier befand sich eine Kuppel­endstelle.


Leipziger Tageblatt vom 3. Januar 1890

Nach der Eingemeindung von Neuschönefeld, Neustadt, Volkmarsdorf und Sellerhausen zum 1. Januar 1890 wurde schon am Folgetag beschlossen, die ver­schiedenen Abschnitte in den Vor­orten zu einer Straße mit dem Namen Eisenbahn­straße zu ver­einigen und neu zu nummerieren. Damit entstand der heutige Straßen­zug. Die geradzahligen Haus­nummern befinden sich seitdem auf der südlichen Straßen­seite.

Bei der Einführung der Postbezirke in Leipzig am 1. Mai 1926 kam der Reudnitzer Teil der Eisenbahnstraße (Hausnummern 2, 4 und 4b) zu »Leipzig C 1«, der Neustädter (Hausnummern 1–79) und Neuschönefelder Teil (Hausnummern 6–82) zu »Leipzig O 30« und die Volkmarsdorfer und Sellerhäuser Teile zu »Leipzig O 28«.

Mit der Bildung des Post­amtes »Leipzig O 5« im Jahr 1932?/1933 wurde die gesamte Eisenbahn­straße diesem neuen Post­bezirk zugeordnet.

Bei der Massen­umbenennung am 1. August 1945 wurde die Eisenbahn­straße aus politischen Gründen („Ehre den sozialistischen Vorkämpfern! Ehre den Opfern der Barbarei!“) mit sofortiger Wirkung in Ernst-Thälmann-Straße umbenannt. Damit wurde an den KPD-Politiker Ernst Thälmann (1886–1944) erinnert.

Am 3. Januar 1949 wurde die kurze Verbindung der Straßenbahn­gleise aus der Ernst-Thälmann-Straße entlang der Annen­straße in die Wurzner Straße in Betrieb genommen. Die östlichen Gleise und die bisherige Kuppel­endstelle an der Portitzer Straße wurden abgebaut.

Bei den Umbenennungen vom 19. November 1991 erhielt die Ernst-Thälmann-Straße zum 1. Januar 1992 wieder den Namen Eisenbahn­straße.

Bei der Einführung der Kommunalen Gliederung zum 18. März 1992 wurde die Eisenbahnstraße auf die Ortsteile 20 Neu­stadt-Neu­schönefeld (Haus­nummern 1–79 und 2–82), 21 Volkmars­dorf (Haus­nummern 81–171 und 84–182) sowie 23 Seller­hausen-Stünz (Haus­nummern 173–189) verteilt, wobei die neuen Ortsteil­grenzen zum Teil erheblich von den alten Stadtteil­grenzen abweichen. So kamen die Grund­stücke mit den Haus­nummern 125–171 und 142–182 zum Ortsteil Volkmars­dorf, obwohl sie im Stadt­teil Seller­hausen liegen!

Seit dem 17. August 1992 beziehungsweise dem 10. Dezember 2003 gehörte der westliche Teil der Eisenbahn­straße (Hausnummern 1 bis 79 sowie 2 bis 82) zum Sanierungsgebiet »Neustädter Markt«, das am 28. April 2021 aufgehoben wurde.

Bei der Einführung der fünfstelligen Post­leit­zahlen zum 1. Juli 1993 wurde die Eisenbahnstraße komplett dem Postleit­bezirk 04315 zugeordnet.

Seit dem 5. November 2018 bildet die Straße den Kern der Waffen­verbots­zone »Eisenbahnstraße«. Betroffen sind die Hausnummern 1–97 und 44–104.

Seit dem 5. Juli 2020 gehören fast alle Grund­stücke der Eisenbahn­straße (laut amtlichen Stadtplan außer Nr. 189) zum Sozialen Erhaltungs­gebiet »Eisenbahnstraße«.

Quellen

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