Hermann-Liebmann-Straße

Die Hermann-Liebmann-Straße ist eine wichtige Verbindungsstraße im Leipziger Osten. Sie liegt auf den Gemarkungen der Stadtteile Volkmarsdorf [Hausnummern 1–43 und 2–108], Neuschönefeld [Hausnummern 67–81], Neustadt [Hausnummern 83–103] und Leipzig [Hausnummern 105–107]) und hat den amtlichen Straßenschlüssel 02162.

Die 1 283 Meter lange Straße beginnt an der Gemarkungsgrenze zu Sellerhausen an der Wurzner Straße (zwischenzeitlich: »Erich-Ferl-Straße«; gegenüber der Einmündung der Wiebelstraße), und führt zunächst geradlinig in nordwestliche Richtung, nimmt dabei die von Südwesten kommende Marcusgasse (ursprünglich: »An der Rietzschke«) auf, wendet sich hier etwas weiter in nördliche Richtung, gabelt sich dann in zwei Arme, von denen der westliche die ursprüngliche Richtung beibehält und auf die Bergstraße mündet, während der östliche sich bogenförmig nach Norden wendet und in einer gemeinsamen Kreuzung die von Westen kommende Bergstraße und die von Osten kommende Bogislawstraße aufnimmt. Dadurch entsteht ein kleiner, dreieckiger Platz, der früher »Kirchplatz« genannt wurde. – Die Hermann-Liebmann-Straße selbst führt von hier aus weiter nach Norden, nimmt die von Westen kommenden Straßen »Rabet« und Marthastraße sowie die nach Westen führende Zollikoferstraße (ursprünglich: »Wilhelmstraße«) auf und kreuzt die Konradstraße sowie die Eisenbahnstraße (zwischenzeitlich: »Ernst-Thälmann-Straße«). Hier tritt die Straße selbst in die Gemarkung Neustadt, bildet aber mit ihrem östlichen Rand die Grenze zu Volkmarsdorf, so dass die anliegenden Grundstücke auf der Ostseite weiter zur Gemarkung Volkmarsdorf gehören. Im weiteren Verlauf nach Norden kreuzt die Hermann-Liebmann-Straße die Ludwigstraße und die Mariannenstraße, nimmt die von Westen kommende Meißner Straße (ursprünglich »Marktstraße«) auf, kreuzt die Schulze-Delitzsch-Straße (ursprünglich »Spritzenweg«, später »Alleestraße«, »Wissmannstraße«), überquert auf der Hermann-Liebmann-Brücke das breite Gleisfeld der Dresdner Eisenbahn sowie der neuen Verbindungsbahn zwischen Dresdner und Bayrischer Eisenbahn, nimmt die nach Osten führende Adenauerallee auf und mündet schließlich in den Stannebeinplatz, an dem außerdem als geradlinige Verlängerung der Hermann-Liebmann-Straße die Schönefelder Allee (ursprünglich »Lindenallee«), die nach Nordosten führende Gorkistraße (ursprünglich »Leipziger Straße«, später »Stettiner Straße«), die von Westen kommende Rohrteichstraße und die nach Osten führende Waldbaurstraße beginnen. Die geradzahligen Hausnummern befinden sich auf der östlichen Straßenseite. Seit dem 01.07.1993 gehören die südlich der Eisenbahnbrücke gelegenen Grundstücke Nr. 1–105 und 2–108 zum Postleitbezirk 04315, die beiden auf der Nordseite gelegenen Grundstücke Nr. 107 und 110 zum Postleitbezirk 04347.

Die Straße folgt dem Verlauf des alten Verbindungsweges von den »Kohlgärten« Anger, Crottendorf, Reudnitz und Volkmarsdorf, die ursprünglich alle nach Schönefeld gepfarrt waren, zum Rittergut und Dorf Schönefeld. Am heutigen Stannebeinplatz kreuzte er die alte Landstraße von Leipzig nach Taucha, die entlang der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße und der heutigen Gorkistraße führte. Auf Schönefelder Flur folgte der alte Verbindungsweg der 1621-1623 angelegten Lindenallee. Weite Teile dieses Wegs führten über freies Feld. Da die Bewohner der eben genannten Dörfer dieses Weg für ihren Kirchgang nach Schönefeld nutzen mussten, hieß er Kirchweg (Kirchweg)?.

Im Jahr 1835 wurde mit dem Bau der Dresdner Eisenbahn begonnen, die den Kirchweg in Höhe der heutigen Eisenbahnstraße kreuzte.

In der Mitte der 1840er Jahre begann auf der Westseite der Straße südlich der Eisenbahn die Bebauung mit der neuen Gemeinde Neuschönefeld. Seit den 1860er Jahren entstand auf der Westseite auch nördlich der Eisenbahn ein neues Baugebiet, das 1882 als Gemeinde Neustadt selbstständig wurde. Gleichzeitig wuchs auf der Ostseite der Straße die Gemeinde Volkmarsdorf nach Norden.

Im Jahr 1879 wurde die Dresdner Eisenbahn aus ihrer alten Strecke in die weiter nördlich liegende, heutige Trasse verschwenkt. Die Nord-Süd-Straße von den Kohlgärten nach Schönefeld wurde dabei über eine Brücke geführt, während die Leipzig–Tauchaer Landstraße dauerhaft unterbrochen blieb.

Einzelne Abschnitte der alten Verbindungsstraße hießen um 1880 in Volkmarsdorf Hauptstraße (Hauptſtraße) sowie in Neuschönefeld, Neustadt und Volkmarsdorf immer noch Kirchweg.

Am 22.12.1882 nahm die Leipziger Pferde-Eisenbahn die Neuschönefelder Straßenbahntrasse in Betrieb, die von Westen kommend entlang der Eisenbahnstraße führte und zunächst an der Kirchstraße endete. Im Jahr 1887 wurde die Trasse weiter nach Osten verlängert, so dass sie nun die Kirchstraße kreuzte.

Nach der Eingemeindung von Neuschönefeld, Neustadt und Volkmarsdorf in die Stadt Leipzig zum 1. Januar 1890 wurde am 12. Februar 1890 die Hauptstraße in Volkmarsdorf, die Kirchstraßen in Volkmarsdorf und Neustadt sowie der Kirchweg in Neuschönefeld zu einer Straße vereinigt, so dass der heutige Straßenzug entstand, der den einheitlichen Namen Kirchstraße (Kirchſtraße) erhielt. Dabei wurden auch alle Adressen geändert.

Am 31. Oktober 1896 wurde auf der Neuschönefelder Straßenbahntrasse durch die (blaue) Große Leipziger Straßenbahn der elektrische Straßenbahnbetrieb aufgenommen.

Am 14. November 1897 wurde durch die konkurrierende (rote) Leipziger Elektrische Straßenbahn die Schönefelder Straßenbahntrasse in Betrieb genommen, die aus der Bergstraße kommend entlang der gesamten nördlichen Kirchstraße verkehrte, dabei die ältere Neuschönefelder Straßenbahntrasse kreuzte, und weiter nach Schönefeld führte.

Am 23. Juli 1898 nahm die »Leipziger Elektrische Straßenbahn« die Sellerhäuser Straßenbahntrasse in Betrieb, die aus der Bergstraße kommend nun auch den südlichen Teil der Kirchstraße erschloss und diese bis zur Wurzner Straße befuhr.

Nach der Übernahme der »Leipziger Elektrischen Straßenbahn« durch die »Große Leipziger Straßenbahn« zum 1. Januar 1917 wurde eine Verbindungskurve zwischen Neuschönefelder und Schönefelder Straßenbahntrasse (von der nördlichen Kirchstraße in die westliche Eisenbahnstraße) eingebaut und damit die ehemals »roten« und »blauen« Strecken miteinander verbunden. Diese neue Verbindung aus der Eisenbahnstraße nach Schönefeld wurde ab 29.02.1920 von der aus Leutzsch kommenden Linie »17« genutzt.

Am 29. April 1933 wurde die Kirchstraße mit Wirkung zum 24. Mai 1933 in Alfred-Kindler-Straße (Alfred-Kindler-Straße) umbenannt. Damit wurde der SA-Mann Alfred Kindler (1907–1932) geehrt, der in der Straße erschossen wurde und als »Blutzeuge der Bewegung« ein Märtyrer der NS-Propaganda war.

Am 19. Mai 1945 wurde unter US-amerikanischer Besatzung die Alfred-Kindler-Straße wieder in Kirch­straße zurückbenannt. Am 1. August 1945 wurde die Kirchstraße unter sowjetischer Besatzung mit sofortiger Wirkung in Hermann-Liebmann-Straße (Hermann-Liebmann-Straße) umbenannt. Damit wird nun an den SPD-Politiker und sächsischen Innenminister Hermann Liebmann (1882–1935) erinnert.

Bei der Einführung der Kommunalen Gliederung zum 18. März 1992 wurde die Straße auf die neu erfundenen Ortsteile Neustadt-Neuschönefeld (Hausnummern 1–105), Volkmarsdorf (Hausnummern 2–108) und Schönefeld-Abtnaundorf (Hausnummern 107 und 110) verteilt.

Seit dem 17. August 1992 gehören die auf der Westseite der Hermann-Liebmann-Straße zwischen Konradstraße und Gemarkungsgrenze Neustadt / Leipzig gelegenen Grundstücke Nr. 71–103 zum Sanierungsgebiet »Neustädter Markt«.

Seit dem 1. April 1995 gehören die auf der Westseite der Hermann-Liebmann-Straße zwischen Wurzner Straße und Rabet gelegenen Grundstücke Nr. 1–43 zum Sanierungsgebiet »Neuschönefeld«.

Quellen

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