Dr.jur. Ernst Carl Erdmann Heine war Rechtsanwalt in Leipzig und ein bedeutender Unternehmer sowie Industriepionier in den westlichen Vorstädten Leipzigs.
C. Heine wurde am 10.01.1819 in Leipzig als Sohn des Leipziger Kaufmanns und späteren Besitzers des Ritterguts Neuscherbitz Johann Carl Friedrich Heine und dessen Gattin C. D. geborene Reichel (1781-1857) geboren. Er lernte an der Leipziger Thomasschule, studierte an der Universität Leipzig Jura und promovierte über die wirtschaftliche Nutzung von Wasserwegen und deren Ufern nach sächsischem Landesrecht. Dann ließ er sich in Leipzig als Advokat nieder.
Nach dem Tode seines Großvaters E. T. Reichel (1748-1832) kaufte C. Heine die Anteile der anderen Erben an Reichels Garten, ließ diesen parzellieren und ab der Mitte des 19. Jahrhunderts schrittweise mit der heutigen inneren Westvorstadt bebauen.
Im Jahr 1854 dehnte C. Heine seinen Grundbesitz auch in die Gemeinde Plagwitz aus.
Im Jahr 1856 begann C. Heine in Plagwitz mit dem Bau des ersten Teilstücks eines die Weiße Elster mit der Saale schiffbar verbindenden Kanals, das heute seinen Namen trägt (Karl-Heine-Kanal). Mit dem Aushub des Kanalbaus wurde die spätere Westvorstadt trockengelegt.
Zur Umsetzung seiner Bebauungs- und Industrialisierungspläne in Plagwitz gründete C. Heine im Jahr 1858 eine »Öconomie«.
Um die Westvorstadt mit der Gemeinde Plagwitz zu verbinden, ließ C. Heine südlich parallel zur alten Landstraße von Leipzig nach Lindenau die Plagwitzer Straße (heute zur Käthe-Kollwitz-Straße) und, gegen den Widerstand des Leipziger Rates, die Plagwitzer Brücke anlegen, die den Anschluss an die Leipziger Straße in Plagwitz (heute zur Karl-Heine-Straße) herstellte.
Anlässlich der Trauung seiner Tochter stiftete C. Heine am 21.07.1863 der Kirche Kleinzschocher 150 Thaler, deren Zinsen zur Verbesserung des Inventars der Kirche, nicht aber für Bauarbeiten zur Renovierung des Kirchgebäudes dienen sollen.
Von 1870 bis zu seinem Tod gehörte C. Heine dem Sächsischen Landtag an. Außerdem war er Abgeordneter im Leipziger Stadtrat.
Im Jahr 1874 bezog er seine neu errichtete Villa in Neuschleußig (Könneritzstraße 1), wo er bis zu seinem Tode lebte.
Von 1874 bis 1877 war C. Heine Mitglied des Deutschen Reichstags.
Im Jahr 1876 wurde ein Bebauungsplan genehmigt, in dem der C. Heine gehörende, bisher aus Wiesen und Feldern bestehende nördliche Teil von Schleußig (»Neuschleußig«) gemeinsam mit dem B. Hüffer (1824-1904) gehörenden, ebenfalls noch weitgehend unbebauten Gutsbezirk Schleußig zur gemeinsamen stadtähnlichen Bebauung mit Wohnhäusern vorgesehen war.
Bei der sächsischen Landtagswahl vom 18.10.1887 gewann er als parteiloser Kandidat seinen Wahlkreis gegen den Sozialdemokraten W. Liebknecht (1826-1900).
Am 24.05.1888 gründete C. Heine die Leipziger Westend-Baugesellschaft AG, in die er seine Öconomie einbrachte.
C. Heine war Mitglied der Leipziger Freimaurer-Loge Apollo.
Am 25.08.1888 starb Dr. Carl Heine im Alter von 69 Jahren in Leipzig.
Die Stadt Leipzig ehrte C. Heine im Jahr 1897 mit einem Denkmal (Karl-Heine-Denkmal). Nach ihm wurden mehrere Straßen und ein Platz benannt (u.a. Erdmannstraße, 1891 Karl-Heine-Straße, 1904 Karl-Heine-Platz). Im Jahr 2003 erhielt eine Berufsschule den Namen Karl-Heine-Schule. Die Schreibweise »Karl« bei all diesen Benennungen beruht auf einem falschen Verständnis der Rechtschreibreform von 1901, die sich aber nicht auf Eigennamen bezog.