Neustadt

Die ehemalige Gemeinde Neustadt (Neuſtadt)? war von 1881 bis 1889 eine selbstständige Gebietskörperschaft östlich von Leipzig. Sie umfasste die Gemarkung Neustadt mit dem »Neuen Anbau vor Schönefeld«.

In den 1870er Jahren begann die planmäßige Anlage eines »Neuen Anbaus« auf ehemaliger Feldflur des (selbstständigen) Rittergutsbezirks Schönefeld. Das Gelände hatte einen fast quadratischen Grundriss und wurde von der neu angelegten Alleestraße (später: »Wissmannstraße«, heute: Schulze-Delitzsch-Straße) im Norden, dem älteren Kirchweg (Verbindungsweg von Anger, Crottendorf, Reudnitz und Volkmarsdorf nach Schönefeld, später: »Kirchstraße«, »Alfred-Kindler-Straße«, heute: Hermann-Liebmann-Straße) im Osten, der Trasse der Dresdner Eisenbahn, auf die nach 1885 die ältere Neuschönefelder Eisenbahnstraße verbreitert wurde, im Süden und der neu angelegten Hauptstraße (heute zur Neustädter Straße) im Westen umgrenzt.

Parallel zu diesen vier Randstraßen wurde ein mittiges Straßenkreuz angelegt, wobei die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Straße den Namen Hedwigstraße erhielt (nach der [noch lebenden] Besitzerin des Ritterguts Schönefeld H. Freiin von Eberstein, 1817–1900) und die in Ost-West-Richtung verlaufende Straße Mariannenstraße benannt wurde (nach Hedwigs Mutter, der Besitzerin des Ritterguts Schönefeld M. Freifrau von Eberstein, 1792–1849). Die Nord- und die Südhälfte des Baugebiets wurden je durch eine weitere in Ost-West-Richtung verlaufende Straße halbiert: die Marktstraße (heute Meißner Straße) im Norden und die Ludwigstraße (benannt nach Mariannes Vater, L. Schneider) im Süden.

In der Nord-Süd-Achse der Hedwigstraße wurde am Nord-Ende (zwischen Marktstraße im Süden und Alleestraße im Norden) ein quadratischer Marktplatz (heute Neustädter Markt) angelegt (die heute dort stehende Heilig-Kreuz-Kirche wurde erst 1893 / 1894 erbaut).

Die entstehenden Quartiere wurden im letzten Viertel des 19. Jahrhunders parzelliert und bebaut.

Im Jahr 1881 spaltete sich der »Neue Anbau« vom Rittergutsbezirk Schönefeld ab und bildete von nun ab die selbstständige Landgemeinde Neustadt, die zur Amtshauptmannschaft Leipzig gehörte.

Am 22. Dezember 1882 wurde die Gemeinde Neustadt mit der Inbetriebnahme der Neuschönefelder Straßenbahntrasse durch die Leipziger Pferde-Eisenbahn an das Straßenbahnnetz der Stadt Leipzig angeschlossen. Die Trasse führte, von Westen kommend, entlang der Eisenbahnstraße und endete zunächst an der Kreuzung mit der Kirchstraße.

Am 1. Januar 1890 wurde die Gemeinde Neustadt in die Stadt Leipzig eingemeindet.

Anfang der 1890er Jahre wurde die Bebauung nach Westen bis zur äußeren Tauchaer Straße (heute: Rosa-Luxemburg-Straße) fortgesetzt, indem die Markt-, Mariannen- und Ludwigstraße geradlinig nach Westen verlängert wurden und am Ende der ersten beiden im rechten Winkel dazu die auf die Eisenbahnstraße führenden Bussestraße und Einertstraße angelegt wurden. Diese beiden neuen Straßen erhielten ihre Namen im Jahr 1892 nach Direktoren der Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Gesellschaft.

Seit dem 18. März 1992 gehört der Stadtteil zum Ortsteil Neustadt-Neuschönefeld im Stadtbezirk im Ost.

Seit dem 17. August 1992 gehört der Stadtteil zum Sanierungsgebiet »Neustädter Markt«.

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