Kippenbergstraße

Die Kippenbergstraße (amtlicher Straßenschlüssel 03060) ist eine Anliegerstraße im Leipziger Stadtteil Reudnitz (Ortsteil Reudnitz-Thonberg, statistischer Bezirk 301, Gemarkungen Reudnitz [Hausnummern 3 bis 33 sowie 2 bis 28] und Anger [Hausnummer 32]).

Die 423 m lange Straße beginnt an der Reichpietschstraße (ursprünglich: »Nostitzstraße«) in der Gemarkung Reudnitz und führt geradlinig in nördliche Richtung. Dabei kreuzt sie die Charlottenstraße und die Wittstockstraße sowie den Täubchenweg und nimmt die von Osten kommende Crottendorfer Straße auf. Nördlich der Einmündung wechselt sie an der gedachten Verbindung der nördlichen Grundstücksgrenzen zwischen dem Eckhaus Crottendorfer Straße 16 und Kippenbergstraße 33 in die Gemarkung Anger, wo sie nach wenigen Metern an der Einmündung der ebenfalls von Osten kommenden Geyerstraße (ursprünglich »Engelsdorfer Straße«) endet. Die ursprünglich geplante geradlinige Verlängerung der Straße nach Norden bis auf den Übergang der Dresdner Straße (Gemarkung Reudnitz) in die Breite Straße (Gemarkung Anger) kam (offenbar wegen der hier schräg kreuzenden Grenze) nicht zustande.

Die geradzahligen Hausnummern befinden sich auf der östlichen Straßenseite. Seit dem 01.07.1993 gehört die Straße zum Postleitbezirk 04317.

Die Straße wurde im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts auf Reudnitzer Feldflur angelegt und beidseitig bebaut. Im Jahr 1887 erhielt sie den Namen Münsterstraße (nach dem noch lebenden ehemaligen Kreishauptmann von Leipzig O. Graf zu Münster, 1825-1893, Ehrenbürger von Leipzig). Ursprünglich gehörte auch die südlich der Eilenburger Eisenbahn gegenüber gelegene Albert-Schweitzer-Straße mit zur Münsterstraße.

Im Jahr 1891 wurde beschlossen, den nördlich der Eisenbahn gelegenen Abschnitt der Münsterstraße in Untere Münsterstraße umzubenennen (der südliche Abschnitt erhielt den Namen »Obere Münsterstraße«).

Am 23.10.1968 wurde beschlossen, die Untere Münsterstraße mit Wirkung vom 07.12.1968 in Gelbkestraße umzubenennen (nach dem Leipziger Arzt und Stadtrat K. Gelbke, 1899-1965).

Seit dem 01.04.1995 gehören die Grundstücke auf der westlichen Straßenseite zum Sanierungsgebiet Reudnitz.

Am 14.07.1999 wurde beschlossen, die Gelbkestraße im Ergebnis der Diskussion um die Person Gelbkes, also aus politischen Gründen, umzubenennen. Ein neuer Straßenname wurde zunächst nicht vergeben. Erst ein Jahr später, am 12.07.2000, beschloss die Ratsversammlung, der ehemaligen Gelbkestraße den Namen Kippenbergstraße zu geben (nach dem Leipziger Verleger Professor Dr. A. Kippenberg, 1874-1950). Die Umbenennung wurde am 01.05.2001 wirksam und am 01.11.2001 verbindlich.

Generell ist die überfällige Benennung einer Straße nach dem verdienstvollen Verleger (Direktor des Insel-Verlags) und Goethe-Sammler A. Kippenberg natürlich sehr zu begrüßen. Warum aber gerade die ehemalige Gelbkestraße gewählt wurde, bleibt unverständlich. Die (zerstörte) Villa Kippenbergs befand sich in der Gohliser Richterstraße, sein (zerstörtes) Verlagsgebäude aber im traditionellen »graphischen Viertel«, in der »Kurzen Straße«. Hier wäre also ein historischer Bezug zu Kippenberg gegeben. Da die Kurze Straße im Jahr 2001 wegen Namensgleichheit mit sieben (!) anderen, eingemeindeten Straßen ohnehin umbenannt werden musste, gab es die Chance, Kippenberg an historischem Ort zu ehren. Merkwürdigerweise bekam sie aber den Namen Spohrstraße. Damit wird zwar nun auch ein Leipziger Verleger geehrt, nur hatte der mit dieser Straße nichts zu tun. - Offenbar wurden in wildem Aktionismus die Straßen einfach willkürlich irgendwie umbenannt, ohne Rücksicht auf historische Bezüge und Zusammenhänge zu nehmen.