Kippenbergstraße

Die Kippenbergstraße ist eine Anliegerstraße im Leipziger Osten. Sie liegt in den Stadtteilen Reudnitz (Haus­nummern 3 bis 33 sowie 2 bis 28) und Anger (Haus­nummer 32) und hat den amtlichen Straßenschlüssel 03060.

Die 430 Meter(!) lange Straße beginnt an der Reichpietschstraße (ursprünglich: »Nostitzstraße«) in der Gemarkung Reudnitz und führt geradlinig in nördliche Richtung. Dabei kreuzt sie die Charlottenstraße und die Wittstockstraße sowie den Täubchenweg und nimmt die von Osten kommende Crottendorfer Straße auf. Nördlich der Einmündung wechselt sie an der gedachten Verbindung der nördlichen Grundstücksgrenzen zwischen dem Eckhaus Crottendorfer Straße 16 und Kippenbergstraße 33 in die Gemarkung Anger, wo sie nach wenigen Metern an der Einmündung der ebenfalls von Osten kommenden Geyerstraße (ursprünglich »Engelsdorfer Straße«) endet. Die ursprünglich geplante geradlinige Verlängerung der Straße nach Norden bis auf den Übergang der Dresdner Straße (Gemarkung Reudnitz) in die Breite Straße (Gemarkung Anger) kam (offenbar wegen der hier schräg kreuzenden Grenze) nicht zustande.

Die geradzahligen Hausnummern befinden sich auf der östlichen Straßenseite. Seit dem 01.07.1993 gehört die Straße zum Postleitbezirk 04317.

Die Straße wurde im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts auf Reudnitzer Feldflur angelegt und beidseitig bebaut. Am 3. November 1887 erhielt sie durch die Gemeinde Reudnitz den Namen Münster­straße (Münſter­ſtraße).? Damit wurde der ehemalige Kreis­hauptmann von Leipzig Otto Graf zu Münster (1825–1893) geehrt. Die Stadt Leipzig hatte ihn am 22. September 1887 zu ihrem Ehrenbürger ernannt. – Ursprünglich gehörte auch die südlich der Eilenburger Eisenbahn gegenüber gelegene Albert-Schweitzer-Straße mit zur Münsterstraße.

Am 15. Juli 1891 wurde beschlossen, den nördlich der Eisenbahn gelegenen Abschnitt der Münsterstraße zum 6. Oktober 1891 in Untere Münster­straße (Untere Münſter­ſtraße) umzubenennen. Der südliche Abschnitt erhielt gleichzeitig den Namen »Obere Münsterstraße«.

Am 23. Oktober 1968 wurde beschlossen, die Untere Münsterstraße mit Wirkung vom 7. Dezember 1968 in Gelbke­straße (Gelbke­ſtraße) umzubenennen. Damit wurde an den Leipziger Arzt und Stadtrat Karl Gelbke (1899–1965) erinnert.

Bei der Einführung der Kommunalen Gliederung zum 18. März 1992 wurde die Straße dem Statistischen Bezirk 301 im Ortsteil Reudnitz-Thonberg zugeordnet.

Seit dem 1. April 1995 gehören die Grundstücke auf der westlichen Straßenseite zum Sanierungsgebiet Reudnitz.

Am 14. Juli 1999 wurde beschlossen, die Gelbkestraße im Ergebnis der Diskussion um die Person Gelbkes, also aus politischen Gründen, umzubenennen. Ein neuer Straßenname wurde zunächst nicht vergeben. Erst ein Jahr später, am 12. Juli 2000, beschloss die Ratsversammlung, der ehemaligen Gelbkestraße den Namen Kippenbergstraße zu geben. Damit wird nun an den Leipziger Verleger Professor Dr. Anton Kippenberg (1874–1950) erinnert. Die Umbenennung wurde am 1. Mai 2001 wirksam und am 1. November 2001 verbindlich.

Generell ist die überfällige Benennung einer Straße nach dem verdienstvollen Verleger (Direktor des Insel-Verlags) und Goethe-Sammler Kippenberg natürlich sehr zu begrüßen. Warum aber gerade die ehemalige Gelbkestraße gewählt wurde, bleibt unverständlich. Die (zerstörte) Villa Kippenbergs befand sich in der Gohliser Richterstraße, sein (zerstörtes) Verlagsgebäude aber im traditionellen »graphischen Viertel«, in der »Kurzen Straße«. Hier wäre also ein historischer Bezug zu Kippenberg gegeben. Da die Kurze Straße im Jahr 2001 wegen Namensgleichheit mit sieben (!) anderen, eingemeindeten Straßen ohnehin umbenannt werden musste, gab es die Chance, Kippenberg an historischem Ort zu ehren. Merkwürdigerweise bekam sie aber den Namen Spohrstraße. Damit wird zwar nun auch ein Leipziger Verleger geehrt, nur hatte der mit dieser Straße nichts zu tun. – Offenbar wurden in wildem Aktionismus die Straßen einfach willkürlich irgendwie umbenannt, ohne Rücksicht auf historische Bezüge und Zusammenhänge zu nehmen.

Quellen

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