GutsMuthsstraße

Die GutsMuthsstraße (amtlicher Straßenschlüssel 06014) ist eine Anliegerstraße im Leipziger Stadtteil Lindenau (Gemarkung Lindenau, Ortsteil Lindenau, statistische Bezirke 700 [Hausnummern 1-35 und 2-36] sowie 701 [Hausnummern 39-51 und 38-50].


Openstreetmap

Die 522 Meter lange Straße beginnt an der Lützner Straße und führt geradlinig in südliche Richtung. Dabei kreuzt sie die Endersstraße (ursprünglich: »Teichstraße«, später: »Bahnhofstraße« [1877–1886], »Kaiser-Wilhelm-Straße« [1886–1907] und »Kaiserstraße« [1907–1947]) und die Aurelienstraße und mündet schließlich auf die Karl-Heine-Straße (hier ursprünglich: »Alleestraße«, später: »Albertstraße«). Die geradzahligen Hausnummern befinden sich auf der westlichen Straßenseite. Seit dem 01.07.1993 gehört die Straße zum Postleitgebiet 04177.

Die Straße wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Lindenauer Feldflur angelegt und erhielt in der Gemeinde Lindenau den Namen Bergstraße (Bergſtraße)?.

Im Jahr 1873 begann der Leipziger Rechtsanwalt und Industrie-Pionier Dr. Carl Heine (1819–1888) mit dem Bau mehrerer Industriegleise, die vom Bahnhof Plagwitz aus fächerförmig das Industriegebiet Plagwitz-Lindenau erschlossen. Zwei dieser Gleise führten bis zur Westseite der Bergstraße. Das Gleis P I endete zwischen Lützner- und Teichstraße (Grundstücke 4, 6 und 8); hier befand sich die Ladestelle III. Das Gleis P II endete zwischen dem Eckgrundstück Teichstraße 19 und dem südlich gelegenen Grundstück Nr. 14.

Im Jahr 1878 wurde die Bergstraße in Turnerstraße (Turnerſtraße) umbenannt, wahrscheinlich nach der Turnhalle auf dem Grundstück Nr. 16.

Am 22. Juli 1882 wurde im südlichen Abschnitt der Turnerstraße die Lindenauer Straßenbahntrasse der Leipziger Pferde-Eisenbahn in Betrieb genommen, deren landwärtiges Gleis aus der östlichen Bahnhofstraße kommend in die Turnerstraße bog und diese in die westliche Albertstraße abbiegend wieder verließ.

Nach der Eingemeindung von Lindenau in die Stadt Leipzig zum 1. Januar 1891 gab es den Namen »Turnerstraße« mehrfach. Da damals Alt-Leipziger Straßennamen generell geschont wurden, musste die Lindenauer Turnerstraße umbenannt werden.

Am 30. Mai 1894 wurde beschlossen, die Lindenauer Turnerstraße mit Wirkung vom 29. Juni 1894 in GutsMuthsstraße1) (GutsMuthsſtraße) umzubenennen (nach dem Lehrer Johann Christoph Friedrich GutsMuths, 1759–1839, der 100 Jahre zuvor das erste deutsche Turnbuch herausgegeben hatte).

Am 30. Oktober 1896 wurde in der GutsMuthsstraße der elektrische Straßenbahnbetrieb durch die (blaue) Große Leipziger Straßenbahn aufgenommen.

Seit dem 7. Februar 1917 wurde das Straßenbahngleis in der GutsMuthsstraße nicht mehr im Linienverkehr befahren.

Vom 15. Juni 1960 bis 14. Dezember 1961 wurden wegen Bauarbeiten die Straßenbahnlinien 2 und 23 noch einmal im Linienverkehr durch die GutsMuthsstraße geführt.

Am 3. Oktober 1967 wurden die Gleise der Gutsmuthsstraße baulich vom sonstigen Streckennetz getrennt und die Trasse damit endgültig stillgelegt.

Seit dem 1. April 1995 gehören die Grundstücke der GutsMuthsstraße zum Sanierungsgebiet Plagwitz.

Quellen

Fußnote:
 1) das LEXIKON Leipziger Straßennamen schreibt (mehrfach) falsch »GuthsMuths«
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