Lindenau

Die ehemalige Gemeinde Lindenau war von 1839 bis 1890 eine selbstständige Gebietskörperschaft westlich von Leipzig. Sie umfasste die Gemarkung Lindenau mit dem Dorf Lindenau und dem Rittergut Lindenau.

Das Dorf Lindenau wurde im 10./11. Jahrhundert von deutschen Siedlern am Westufer der (»Kleinen«) Luppe angelegt. Im Jahre 1182 wurde es erstmals urkundlich als »Lindinouve« erwähnt. Es lag an einer strategisch wichtigen Position auf der Westseite der Elster-Luppen-Aue gegenüber der Stadt Leipzig, die auf der Ostseite lag, und war von Leipzig aus gesehen die nächste Siedlung an der via regia.

Landesherren waren seit dem 10. Jahrhundert die Bischöfe von Merseburg (bis 1562). Nach der Umwandlung des Bistums in ein weltliches Stift fungierten von 1562 bis 1656 die Kurfürsten von Sachsen, von 1656 bis 1738 die Herzöge von Sachsen-Merseburg und von 1738 bis 1918 die Kurfürsten (seit 1806 Könige) von Sachsen als Landesherr. Sowohl innerhalb des Stifts Merseburg als auch im Herzogtum Sachsen-Merseburg gehörte das Dorf Lindenau ins Amt Lützen. Nach der Abtretung des größten Teils des Hochstifts Merseburg an das Königreich Preußen in Folge des Wiener Vertrages vom 10. Januar 1815 kam Lindenau an das Amt Leipzig.

Das Dorf Lindenau gehörte zur Grundherrschaft des Ritterguts Lindenau, das im Jahr 1527 vom Leipziger Rat gekauft wurde. Damit unterstand es juristisch der Leipziger Landstube (seit 1831: Landgericht). Kirchlich gehörte es zunächst zur Parochie Leutzsch, die in Lindenau eine Filialkirche unterhielt. Erst 1884 wurde in Lindenau eine eigene Pfarrei eingerichtet.

Im Jahr 1835 umfasste das Dorf 288/9 Magazinhufen Land, 78 Häuser und 955 Einwohner.

Mit der sächsischen Landgemeindeordnung von 1838, die am 1. Mai 1839 in Kraft trat, wurde das Dorf Lindenau eine selbstständige Landgemeinde und erhielt das Recht zur Selbstverwaltung; die untere Gerichtsbarkeit blieb jedoch bis zum 1. Oktober 1856 beim städtischen Landgericht. Die Bevölkerung war Ende 1840 schon auf 1 553 Personen angewachsen; für Ende 1864 werden 5 103 Einwohner angegeben.

Im Jahr 1863 wurde in Lindenau die Gas-Anstalt Lindenau-Plagwitz in Betrieb genommen, die bis 1925 sowohl Lindenau als auch die südliche Nachbargemeinde Plagwitz mit Leucht­gas versorgte.

Am 22. September 1872 wurde die Gemeinde Lindenau mit der Verlängerung der Plagwitzer Straßenbahntrasse vom Felsenkeller zum Gasthof »Drei Linden« an das Straßenbahnnetz der Stadt Leipzig angeschlossen. Seit dem 22. Juli 1882 führt auch die Lindenauer Straßenbahntrasse als zweite, direkte Verbindung nach Lindenau.

Am 20. Oktober 1873 wurde die Gemeinde Lindenau mit der Inbetriebnahme der zunächst privaten (Thüringische Eisenbahngesellschaft), später Königlich Preußischen Zeitzer Eisenbahn an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Für die Trassierung der Strecke über Lindenau und Plagwitz hatte sich vor allem Dr. Carl Heine (1819–1888) eingesetzt.

Von 1873 bis 1890 gehörte die Landgemeinde Lindenau zur Amtshauptmannschaft Leipzig.

Am 1. Januar 1891 wurde die Gemeinde Lindenau in die Stadt Leipzig eingemeindet.

Seit dem 18. März 1992 gehört der größte Teil des ehemaligen Gemeindegebietes zu den Ortsteilen Lindenau (Nordosten), Altlindenau (Südosten) und Neulindenau (Westen).

Literatur

Weblinks

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