Holbeinstraße

Die Hol­bein­straße (amtlicher Straßenschlüssel 05099) ist eine Anliegerstraße im Leipziger Stadtteil Schleußig (Ortsteil Schleußig, Gemarkung Schleußig, Flurstücke 69, 30l, 93 und 239).

Die 1 046 Meter lange Straße beginnt an der Könneritzstraße und führt in leicht bogenförmigem Verlauf zunächst in südwestliche Richtung, nimmt dabei die von Südosten kommende Alfred-Frank-Straße (ursprünglich »Quandtstraße«) auf, kreuzt die Industriestraße (hier ursprünglich »Jahnstraße«), nimmt die von Südosten kommenden Stieglitzstraße und Rochlitzstraße auf, wendet sich dabei immer mehr nach Süden, nimmt die von Osten kommende Schnorrstraße sowie die nach Westen führende Limburgerstraße auf und mündet schließlich in das Ost-Ende der Oeser­straße. Die geradzahligen Hausnummern befinden sich auf der (nord-) westlichen Straßenseite. Seit dem 1. Juli 1993 gehört die Straße zum Postleitbezirk 04229.

Die Straße wurde im Heine- / Hüfferschen Bebauungsplan für die Schleußiger Feldflur von 1876 als »Straße A« projektiert. Dabei lag der südlich der Rochlitzstraße befindliche Teil (Flur­stück 239) im Bau­feld (Guts­bezirk Schleußig) von Bernhard Hüffer (1824–1904), der nördliche im Baufeld (»Neuschleußig«) von Dr. Carl Heine (1819–1888).

Die »Straße A« wurde als Allee angelegt. Ihr bogenförmiger Verlauf ist der Weißen Elster geschuldet, die westlich parallel der Straße fließt und auch die Westgrenze der meisten Grundstücke auf der Westseite der Straße bildet.

Schon 1884/86 errichtete der Plagwitzer Unternehmer Ernst Mey (1844–1903) auf dem heutigen Grundstück Nr. 29 eine Celluloid-Fabrik.


J. G. Seume1)

Im Jahr 1892 wurde beschlossen, der Straße den Namen Seume­straße (Seumeſtraße)? zu geben (nach dem Schriftsteller Johann Gottfried Seume, 1763–1810).

Von 1888 (Baubeginn 1886) bis 1925 wurde die Seumestraße im Abschnitt zwischen Industrie- und Stieglitzstraße niveaugleich (!) durch die eingleisige, von Güterzügen genutzte Plagwitz – Connewitzer Verbindungsbahn gekreuzt.

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts begann auf der östlichen Straßenseite die Bebauung mit meist viergeschossigen aneinander stoßenden Wohnhäusern. Auf der westlichen Straßenseite entstanden nördlich der Rochlitzstraße vor allem Fabriken und Lagerplätze, südlich davon eine Kleingarten-Anlage (heute: »Elster-Idyll«).

Im den Jahren 1906–1908 dehnte sich die Plagwitzer Wollgarnfabrik Tittel & Krüger (seit 1969 VEB Buntgarnwerke Leipzig) über die Elster in die Seumestraße aus und errichtete ein später als »Hochbau Süd« bezeichnetes Fabrikgebäude.

Nachdem am 1. April 1930 die Gemeinde Knaut­klee­berg nach Leipzig eingemeindet wurde, gab es den Straßennamen »Seumestraße« doppelt. Da Johann Gottfried Seume zu Knautkleeberg einen direkten Bezug hatte (er wuchs dort auf), wurde die Knautkleeberger Seumestraße geschont und noch im Jahr 1930 die Schleußiger Seumestraße in Steubenstraße (Steubenſtraße) umbenannt (nach dem US-amerikanischen General deutscher Herkunft Friedrich Wilhelm von Steuben, 1730–1794, anlässlich dessen 200. Geburtstags).


H. Holbein2)

Am 11. Oktober 1950 wurde beschlossen, die Steubenstraße mit Wirkung vom 1. November 1950 in Holbeinstraße umzubenennen3) (nach dem Maler Hans Holbein dem Jüngeren, 1497–1543).

Seit 1998 werden die Fabrikgebäude in der Holbeinstraße, beginnend mit dem ehemaligen »Hochbau Süd«, zu modernen Lofts umgebaut.

 1) Abbildung aus: Zweihundert Bildnisse und Lebensabrisse berühmter deutscher Männer. Dritte verbesserte Auf­lage. Leipzig: Georg Wigand, 1870, S. 149
 2) Abbildung aus: Zweihundert Bildnisse und Lebensabrisse berühmter deutscher Männer. Dritte verbesserte Auf­lage. Leipzig: Georg Wigand, 1870, S. 34
 3) bei der Massenumbenennung vom 11. Oktober 1950 wurden adelige und militärische Namenspatrone meist durch Maler, Musiker, Schriftsteller oder Gelehrte ersetzt
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