Beethovenbrücke

Die Beethovenbrücke ist eine Straßen­brücke über den Pleiße­mühl­graben in der Leipziger Südwestvorstadt.


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um 1893

Sie liegt zwischen der Mozart­brücke (ur­sprüng­lich »Albert-Brücke«, später »Simson­brücke«, »Gewand­haus­brücke«) im Süden und der Harkort­brücke im Norden und verbindet die am west­lichen Brücken­lager beginnende Beethoven­straße (»Musikviertel«, hier kreuzte ursprüng­lich die Simson­straße) mit der am östlichen Brücken­lager quer verlaufenden Harkort­straße (Südvorstadt); hier begann die nach Süden führende Lampe­straße, die allerdings neuerdings so verschwenkt wurde, dass sie rechtwinklig auf die Harkortstraße mündet.

Die Brücke wurde in der Mitte der 1880er Jahre bei der Bebauung der Leipziger Südwest-Vorstadt (»Musik­viertel«) angelegt. Obwohl die Tiefbau-Verwaltung am 23. November 1886 den Namen »Beethoven­brücke« vor­schlug, erhielt sie am 22. Januar 1887 den Namen Carola-Brücke (Carola-Brücke).? Damit wurde Königin Carola (1833–1907) geehrt; die benachbarte Brücke wurde gleichzeitig nach ihrem Gemahl König Albert (1828–1902) benannt.

Im Jahr 1895 wurde der nördlich der Carola-Brücke liegende Teil des Pleiße­mühl­grabens über­deckt, um den Platz vor dem Reichs­gericht groß­zügiger er­scheinen zu lassen. Die Brücke blieb dabei aber erhalten.

Von 1928 bis 1945 führte die Schleußiger Straßen­bahn­trasse (von der nördlichen Harkort­straße kommend und in die südliche Simson­straße abbiegend) über die Carola-Brücke.

Die Massenumbenennung vom 11. Oktober 1950, bei der solche Straßen, die nach Mitgliedern ehemaliger Monarchien benannt waren, vorzugs­weise die Namen (ideologisch neutraler) Musiker, Schrift­steller oder Maler erhielten, über­stand der Name »Carola-Brücke« un­angetastet.

Infolge der Überwölbung des Pleiße­mühl­grabens auch auf der Südseite im Jahr 1952 verlor die Brücke ihre eigentliche Funktion und erschien später als ein normales Stück Straße; sie blieb aber unter­irdisch in der Wölb­leitung noch erhalten.

Im September 2002 wurde Pläne bekannt, die Brücke nach der Öffnung des Pleiße­mühl­grabens neu zu errichten.

Am 30 Oktober 2004 wurde die Ausschreibung des Ersatz­neubaus der Carola-Brücke (unter dem frei erfundenen Namen »Beethoven­brücke«) amtlich bekannt gemacht.

Im Jahr 2005 wurde die Carola-Brücke freigelegt, abgebrochen und als Beton­brücke neu errichtet.

Am 12.10.2005 beschloss die Ratsversammlung ohne Not, die Carola-Brücke in Beethoven­brücke um­zubenennen (nach dem Komponisten Ludwig van Beethoven, 1770–1827). Als Grund wurde die angebliche Praxis genannt, Brücken nach der über sie verlaufenden Straße zu benennen. Außer­dem soll die Identität des Musik­viertels mit dieser Maß­nahme gestärkt werden – als wäre das Musik­viertel ein Musiker­namen­viertel. Ignoriert wurde der ursprüngliche Wille der Stadt­väter von 1887, die Brücke ent­gegen dem Wunsch der damaligen Verwaltung gerade nicht »Beethoven­brücke« zu nennen. Verpasst wurde die Chance, Königin Carola auch in Leipzig angemessen zu ehren – in Dresden und Chemnitz ist dies selbst­verständlich. In Kauf genommen wurde der öffentliche Eindruck, nachträglich zum Voll­strecker des politischen Willens des Jahres 1950 zu werden.

Literatur

Fußnote:
 1) Abbildung aus: Leipziger Illustrirte Zeitung. 1873, S. 385
 2) Abbildung aus: Zweihundert Bildnisse und Lebensabrisse berühmter deutscher Männer. Dritte verbesserte Auf­lage. Leipzig: Georg Wigand, 1870, S. 159
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