Universitätsbibliothek

Die Universitätsbibliothek Leipzig ist eine zentrale Einrichtung der Universität Leipzig und eine der wichtigsten Bibliotheken der Stadt. Ihr Bestand umfasst ca. 5 Millionen Bände, ca. 9.000 Handschriften, 173.000 Autographen, 80.000 Münzen und Medaillen, zahlreiche Karten und Porträts. Zu den Schätzen der Sammlung gehört der »Papyrus Ebers«, ein Teil des »Codex Sinaticus« und eine 41zeilige Gutenbergbibel.

Die Universitätsbibliothek ist ca. 135 Jahre jünger als die Universität. Bis zur Reformation besaßen zwar einzelne Fakultäten, Kollegien und Nationen schon Bibliotheken, eine gemeinsame Einrichtung gab es aber nicht. Nachdem 1540 das Leipziger Dominikanerkloster St. Pauli aufgelöst wurde, übereignete der Landesherr, der Herzog von Sachsen Moritz (1521-1553) am 28.06.1543 auf Betreiben des Rektors C. Borner (1492?-1547) alle Güter der Leipziger Dominikaner an die Universität Leipzig, obwohl die Stadt Leipzig ein Vorkaufsrecht besaß. Nach der Übernahme auch der anderen Leipziger Klosterbibliotheken sowie der Bestände weiterer sächsischer Klöster (u.a. Altzelle, Pegau und Chemnitz) richtete Borner in einem ehemaligen Klostergebäude am späteren Augustusplatz, dem Paulinum, eine Universitätsbibliothek ein. Diese wurde nach ihrem Standort bald bibliotheca paulina genannt. Sie verfügte zunächst über ca. 1.500 Handschriften und 4.000 Bücher. Einen ersten Zuwachs erhielt die Bibliothek durch den Nachlass Borners, die auch einen Teil der Bibliothek von P. Mosellanus (1493-1524) enthielt.

Der Professor J. Feller (1628-1691), der seit 1675 Bibliothekar war, konnte 1682 die immer noch separaten Bibliotheken des Großen und des Kleinen Fürstenkollegiums und 1683 die Bibliothek der Philosophischen Fakultät in die Universitätsbibliothek holen. Er trennte des Bestand in die Hand- und die Druckschriften und veröffentlichte 1686 einen gedruckten Katalog der Handschriften.

Im Jahr 1711 wurde die Stelle eines Kustoden geschaffen, der künftig als 2. Mitarbeiter den Bibliothekar unterstützte. Seit 1742 wurde er durch einen weiteren Gehilfen unterstützt.

Im Jahr 1742 wurde der Professor C. G. Jöcher (1694-1758) Bibliothekar. In seiner Amtszeit entstand 1751 erstmals ein alphabetischer Katalog, der fast den gesamten Bestand (ca. 15.000 Bücher) verzeichnete - bisher existierten nur mehrere Sachkataloge.

Im Jahr 1831 verfügte die Universitätsbibliothek über ca. 50.000 Bände.

Im Jahr 1833 wurde die Stelle eines hauptamtlichen Bibliothekars geschaffen, der die Bezeichnung »Oberbibliothekar« erhielt. Erster hauptamtlicher Bibliothekar Deutschlands wurde E. G. Gersdorf (1804-1874). Er hatte dieses Amt bis 1869 inne und reorganisierte die Bibliothek nach wissenschaftlichen Grundsätzen.

Das wachsende Raumproblem durch ständige Neuerwerbungen wurde 1835/1836 zunächst durch einen Umzug in das neue Augusteum gelöst. Nach einer Aufstockung um zwei zusätzliche Etagen kehrte die Bibliothek 1846 in das Paulinum zurück.

Im Jahr 1891 bezog die Universitätsbibliothek ihr neues Hauptgebäude »Bibliotheca Albertina« in der Beethovenstraße. Damit trennte sie sich räumlich vom Universitätsgelände am Augustusplatz. Dies führte dazu, dass an den Instituten und Fakultäten zahlreiche Außenstellen eingerichtet wurden, die zum Teil noch heute existieren.

Beim Bombenangriff auf Leipzig vom 06.04.1945 wurde das Hauptgebäude der Universitätsbibliothek schwer beschädigt. Da der Großteil der Bücher an verschiedene Stellen ins Leipziger Umland ausgelagert worden war, entging er der Zerstörung. Insgesamt gelten ca. 42.000 Bände als Kriegsverlust. Davon befindet sich heute allerdings ein Teil in russischen Sammlungen.

Die erhaltenen Teile des Bibliotheksgebäudes in der Beethovenstraße wurden nach dem Krieg nur notdürftig repariert; fast ein halbes Jahrhundert fand der Bibliotheksbetrieb in einer (Teil-)Ruine statt. Erst in den 1990er Jahren wurde die Bibliotheca Albertina wieder vollständig aufgebaut und sogar noch erweitert.

Zum 01.10.1992 übernahm die Universitätsbibliothek die Comenius-Bücherei sowie die Sammlungen mehrerer aufgelöster Leipziger Hochschulen: der Pädagogischen Hochschule, der Handelshochschule und der Deutschen Hochschule für Körperkultur. Damit erhöhte sich der Bestand auf 4,7 Millionen Bände.

Quellen

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