Die Haasegasse war eine Anliegerstraße im Leipziger Stadtteil Lößnig. Sie lag auf dem Flurstück 30 der Gemarkung Lößnig. Ein amtlicher Straßenschlüssel ist nicht überliefert.1)
Die ca. 60 Meter lange Straße begann an der Raschwitzer Straße (hier bis 1901 »Dorfstraße«, gegenüber der Gethsemanekirche) und führte geradlinig und kreuzungsfrei nach Süden, bis sie als Sackgasse endete.
Die Straße gehörte zu den ältesten Straßen des Dorfes Lößnig und hieß ursprünglich Seitengasse (Seitengaſſe)?. Allerdings wurde dieser Straßenname nie für Adressen genutzt; alle Grundstücke wurden bis 1910 nur mit ihrer Katasternummer bezeichnet. An der Seitengasse lagen die Häuser Lößnig 15 bis Lößnig 21.
Da es bei der Eingemeindung der Gemeinde Lößnig in die Stadt Leipzig am 1. Januar 1891 den Straßennamen in Leipzig bereits gab und damals die Alt-Leipziger Straßennamen generell geschont wurden, musste die Seitengasse in Lößnig umbenannt werden.
Am 25. September 1901 wurde beschlossen, die Lößniger Seitengasse in Haasegasse (Haaſegaſſe) umzubenennen (vgl. Bekanntmachung im Leipziger Tageblatt vom 26. September 1901, Seite [5]). Damit wurde der Leipziger Jurist Dr. Carl Heinrich Haase (1785–1968) geehrt, wobei ausdrücklich auf seine Stiftung für Lößnig verwiesen wurde.
Erstmals im Leipziger Adreßbuch 1911 (Digitalisat) wurde die moderne Nummerierung der Häuser in der Haasegasse benutzt. Dabei lag die einzige ungerade Nummer 1 (Kataster 15) auf der Ostseite, die ungeraden Hausnummern 2–12 (Kataster 21…16) auf der Westseite der Straße.
Postalisch gehörte die Haasegasse seit dem 1. Mai 1926 zu »Leipzig S 3« und seit dem 1. Januar 1965 zu »7030 Leipzig«.
Im Jahr 1970 begann das Verschwinden der Haasegasse. Nachdem die PGH »Abbruch und Tiefbau« alle Häuser angemietet hatte, brach sie die Bebauung ab und nutzte die Fläche als Betriebsgelände. Kurze Zeit später überbaute die damalige Ingenieurschule für Bauwesen den Rest der Straße mit ihrem Schulgebäude Raschwitzer Straße 15.
Ob der Straßenname danach formal aufgehoben oder einfach nur vergessen wurde, ist nicht überliefert; in den amtlichen Verzeichnissen seit 1990 ist er jedenfalls nicht mehr enthalten.