Lassalle, Ferdinand

* 11.04.1825 Breslau; gestorben1) 31.08.1864 Genf

Ferdinand Lassalle war Publizist und Politiker.

Ferdinand Lassal wurde am 11.04.1825 als Sohn jüdischer Eltern in Breslau geboren. Er studierte 1843-1846 Philologie, Geschichte und Philosophie, konnte aber auf Grund seiner Herkunft keine akademische Laufbahn antreten.

Auf einer Bildungsreise nach Paris machte sich F. Lassal, der bisher philosophisch vor allem von den deutschen Idealisten J. G. Fichte (1762-1814) und G. W. F. Hegel (1770-1831) beeinflusst war, mit den sozialistischen Ideen des Louis Blanc (1811-1882) bekannt.

Im Jahr 1846 änderte er seinen Nachnamen von »Lassal« in die französische Form Lassalle.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete F. Lassalle an der von K. Marx (1818-1883) herausgegebenen »Neuen Rheinischen Zeitung« mit, wobei beide in ihren politischen Zielen noch übereinstimmten.

Seine aktive Teilnahme an den Ereignissen 1848 in Düsseldorf, insbesondere sein radikales Eintreten für eine demokratische Verfassung im Königreich Preußen, führte 1849 zu einer halbjährigen Haftstrafe (wegen Beleidigung), wodurch gleichzeitig die Zusammenarbeit mit Marx beendet wurde.

Im Jahr 1861 veröffentlichte F. Lassalle sein zweibändiges Hauptwerk »Das System der erworbenen Rechte«, in dem er sich von Hegels Rechtsphilosophie distanziert und einen demokratischen Staat mit einer solidarischen Gesellschaft von Gleichen fordert. In weiteren Schriften sprach er sich für die Einschränkung von Eigentumsrechten, für die Schaffung von staatlich gestützten »Produktiv-Assoziationen« der Arbeiter und für ein allgemeines und gleiches Wahlrecht aus. Damit sollte auf friedlichem Wege, ohne jede Revolution, ein Staats-Sozialismus geschaffen werden.

Am 23.05.1863 wurde F. Lassalle auf der konstituierenden Sitzung des Allgemeinen Deutschen Arbeiter-Vereins (ADAV) in Leipzig zu dessem Präsidenten gewählt. Er gilt damit als Begründer der ältesten demokratischen Partei in Deutschland, in deren Nachfolge die heutige SPD steht.

Das in Leipzig beschlossene, von F. Lassalle formulierte Programm des ADAV wurde von Marx und F. Engels (1820-1895) abgelehnt, die an der Notwendigkeit einer proletarischen Revolution festhielten. Nachdem Lassalle dem preußischen Ministerpräsidenten O. von Bismarck (1815-1898) die Unterstützung durch den ADAV (im Gegenzug für eine Gewährung des allgemeinen Wahlrechts) zusagte, warfen sie ihm Opportunismus und Verrat vor.

Am 31.08.1864 starb F. Lassalle in Genf an den Folgen eines Duells.

Im Jahr 1945 wurde eine Straße in der Äußeren Westvorstadt Leipzigs (»Bachstraßenviertel«) nach F. Lassalle benannt (Ferdinand-Lassalle-Straße). Gleichzeitig erhielt auch die bisherige Bismarckbrücke den Namen Ferdinand-Lassalle-Brücke.

Quellen

Fußnoten:
 1) an den Folgen eines Duells
Impressum | Inhalt | Vorwort | Chronik | Register