Auerbachs Keller

Das historische Restaurant Auerbachs Keller befindet sich auf dem Grundstück Grimmaische Straße 2 (Mädlerpassage) in der Leipziger Altstadt, unweit vom Markt. Es ist die bekannteste und (nach dem Burgkeller) die zweitälteste erhaltene Restauration Leipzigs.

An dieser Stelle wurde schon im Jahr 1438 ein Weinausschank erwähnt. Im Jahr 1529 erwarb der Leipziger Medizinprofessor, Arzt und Stadtrat Dr. H. Stromer (1482-1542), der nach seinem Geburtsort allgemein nur »Dr. Auerbach« genannt wurde, das Grundstück (alte Häusernummer 3). Er ließ es von 1530 bis 1538 oberirdisch mit einem großen Gebäudekomplex bebauen, der nach seinem Erbauer Auerbachs Hof genannt wurde und vom 16. bis zum 19. Jahrhundert der größte und bedeutendste Handelshof der Stadt war.

Die vorhandenen mehretagigen Weinkeller im Untergeschoss baute Stromer noch aus, sie galten lange Zeit als die größten der Stadt und angeblich sogar ganz Deutschlands.

Zur Bekanntheit der Lokalität trug auch eine Volkssage bei, die berichtet, dass hier im Jahr 1525 der berühmte Schwarzkünstler Dr. Johannes Faustus ein Fass aus dem Keller geritten habe: zur Verspottung der sich quälenden Weißkittel (Fass-Auflader), und - ganz sicher - mit Hilfe des Teufels. Zwei auf Holz gezeichnete Darstellungen (»Fausts Fassritt«1) und »Faust im Kreise zechender Studenten«) werden auf die Zeit um 1625 datiert (100. Jahrestag des Ereignisses) und dem Maler und Kupferstecher A. Bretschneider (1578?-1640?) zugeordnet. Sie dürften vor allem dem Zweck dienen, das Gehörte auch sehen zu können und somit noch glaubhafter zu machen.

Im 1635 wurden die Weinkeller noch einmal erweitert.

Als der junge J. W. Goethe (1749-1832) während seines Studiums 1765-1768 Auerbachs Keller besuchte, war er vom Lokal und dessen Geschichte offenbar so beeindruckt, dass er ihn später als einzigen realen Ort in sein Drama »Faust I« aufnahm - allerdings mit einer weniger spektakulären Handlung. Dies trug zur weiteren Popularität des Weinkellers bei.

Die historischen Räumlichkeiten bestehen aus drei Gewölben: Der tief gelegene Fasskeller besitzt ein mittelalterliches Tonnengewölbe, das 1867 vom Dekorationsmaler Heinrich Bey mit Motiven aus Goethes »Faust« ausgemalt wurde. An der Stirnseite erinnert ein (sicher nicht originales) Fass an den legendären Fassritt. Ein in die Wand eingelassenes Hauszeichen (Bacchusknabe) stammt aber aus dem Jahr 1530 und damit der Erbauungszeit von Auerbachs Hof. Im Jahr 1913 wurde ein großer aus Holz geschnitzter Hängeleuchter von Max Stolz unter das Tonnengewölbe gehängt, der Faust auf dem Fass reitend zeigt. - Die ebenfalls historischen Goethe- und Lutherzimmer verfügen über spätgotische Kreuzrippengewölbe. Im Goethezimmer befinden sich heute die beiden Bretschneider-Gemälde von 1625.

Im Jahr 1912 ließ der Kofferfabrikant A. Mädler (1854-1925) Auerbachs Hof abbrechen und auf dem vergrößerten Grundstück bis 1914 die Mädlerpassage errichten. Aus statischen Gründen musste auch Auerbachs Keller abgebrochen werden. Entgegen ursprünglichen Plänen wurde dieser originalgetreu und unter Verwendung der historischen Substanz wieder aufgebaut.

Die Eingangssituation zum Keller wurde an die neue Passage angepasst, indem zwei gegenüber liegende abgewinkelte Treppen von einem neuen Vorraum in die Passage führen, die an dieser Stelle leicht aufgeweitet ist. Am oberen Ende weisen zwei lebensgroße zueinander gewandte bronzene Figurengruppen (1913 von M. Molitor, 1873-1929, geschaffen: einerseits Faust und Mephistopheles, andererseits drei verzauberte Studenten zeigend) schon von Weitem den Weg zu Auerbachs Keller.

Im Untergeschoss entstand gegenüber den historischen Räumen die Große Halle, die zunächst als Kinosaal geplant war, dann aber doch als Hauptrestaurant genutzt wurde. Hier befinden sich zahlreiche große Ölgemälde zum Faust-Thema. - Außerdem wurde die Gaststube Alt-Leipzig geschaffen.

Am 22.02.1913 (lange vor der Fertigstellung der Mädlerpassage) wurde Auerbachs Keller wieder als Gaststätte eröffnet.

Heute ist Auerbachs Keller, wie schon vor 450 Jahren, eine touristische Hauptattraktion der Stadt.

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Fußnote:

 1) hier ist auch ein kleiner, schwarzer Hund zu sehen; sollte das der Pudel sein, dessen (teuflischen) Kern Faust entdeckt?

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