Zweites Gewandhaus (Grassistraße)

Zweites Gewandhaus (Grassistraße)

Das zweite Gewandhaus wurde von 1884 bis 1944 als Konzerthaus des Leipziger Gewandhaus-Orchesters genutzt, das seit 1781 im (ersten) Gewandhaus (Gewandgäßchen) musizierte.


Konzerthaus Vollbild und Quelle

Es befand sich in der südwestlichen Leipziger Vorstadt (»Musikviertel«) im Straßenrechteck zwischen der Beethovenstraße im Norden (gegenüber der Universitätsbibliothek), der Wilhelm-Seyfferth-Straße im Osten, der Mozartstraße im Süden und der Grassistraße im Westen und führte die Adresse Grassistraße 5.

Das Gebäude wurde von 1882 bis 1884 nach Entwürfen der Architekten M. Gropius (1824–1880) und H. Schmieden (1835–1930) im neoklassizistischen Stil errichtet. Für den Bau wurde 1884 ein Darlehen in Höhe von 400.000 Goldmark aus den Nachlass des Leipziger Kaufmanns und Stifters F. D. Grassi (1801–1880) genutzt.

Das Konzerthaus wurde am 11. Dezember 1884 eröffnet. In Bezug auf die Tradition der Gewandhauskonzerte wurde es damals auch »Neues Gewandhaus« genannt. Nach dem Abbruch des »Alten Gewandhauses« in der Altstadt und Bebauung dessen Grundstücks mit dem Städtischen Kaufhaus sagte man zum Konzerthaus im Musikviertel meist nur einfach »Gewandhaus«.

Unterhalb des flachen Dreiecksgiebels, der das dreiachsige, von Säulen gebildete vorgesetzte Portal krönte, befand sich der lateinische Spruch:

RES∙SEVERA∙VERUM∙GAUDIUM

(Die ernste Sache ist wahre Freude).

Beim Bombenangriff vom 20. Februar 1944 wurde das Gewandhaus zentral getroffen und weitgehend zerstört.

Briefmarke
Briefmarke von 1959

Während es zu Beginn der 1950er Jahre noch Pläne für einen Wiederaufbau des Gewandhauses gab, wurde die immer weiter verfallende Ruine schließlich doch aufgegeben. Am 29. März 1968 wurde sie gesprengt. Das Grundstück diente seitdem als Grünfläche und Parkplatz.

Das Gewandhaus-Orchester nutzte vorübergehend die Kongresshalle und seit 1981 das »Neue« (dritte) Gewandhaus am Augustusplatz als Konzerthaus.

Im Jahr 2000 wurde auf dem Grundstück des zweiten Gewandhauses mit dem Bau des Geisteswissenschaftlichen Zentrums der Universität begonnen.